Voraussetzung für eine Vermarktung im D.I.B.-Glas
Die erste Frage ist sicherlich: „Warum sollte ich im D.I.B.-Glas abfüllen? Was sind die Vorteile?
In einem Satz:
Honig im D.I.B.-Glas ist kein „normaler Honig“, sondern ein geprüftes Qualitätsversprechen.
Es folgen detailliertere mögliche Vorteile, die sicherlich je nach „Zeitgeist“ ein unterschiedliches Gewicht haben.
Vorteils-Argumente für die Imkerin
- Qualität & Standard: Klare, überprüfbare Qualitätsrichtlinien schaffen Vertrauen und eine verlässliche Produktbasis.
- Glaubwürdigkeit & Marketing: Das etablierte, bundesweit bekannte Qualitätssiegel wirkt als starkes Vertrauenssignal beim Verkauf (Point of Sale).
- Vereinfachung: Vorgegebene, rechtssichere Etiketten und Gläser sparen Zeit und Kosten für eigene Gestaltung und Zulassung.
- Gemeinschaft & Support: Zugang zum Netzwerk und Know-how des größten Imkerverbands, Schulungen, Rechtsberatung.
- Preisstabilität: Assoziation mit Premium-Qualität ermöglicht eine bessere und stabilere Preispositionierung gegenüber No-Name-Honig.
- Wettbewerbsvorteil: Deutliche Abgrenzung von Massenware und Import-Honig durch das strengste deutsche Qualitätszeichen für Honig.
Vorteile für den Kunden
- Garantierte Qualität: Kauf eines Honigs, der deutlich strengere Grenzwerte (z.B. Frische, HMF, Wasser) als gesetzlich vorgeschrieben einhält.
- Natürlichkeit & Sorgfalt: Garantie für schonende Behandlung (max. 40°C), keine Pollenfilterung, keine Zusatzstoffe.
- Deutsche Herkunft: 100%ige Transparenz: Der Honig stammt garantiert von deutschen Bienenständen.
- Frische & Geschmack: Hohe Enzymaktivität sichert einen besonders frischen, naturbelassenen und aromatischen Honig.
- Unterstützung vor Ort: Direkte Förderung der lokalen oder regionalen Imkerei und damit des Umwelt- und Artenschutzes.
- Unterstützung der Organisation und Vereinsarbeit von Imkern: Vereinsarbeit und zentrale Vertretung von Bienenthemen durch die deutsche Imkerschaft.
- Optische Erkennbarkeit: Das bekannte Glas mit der Wabe ist ein sofort wiedererkennbares Symbol für deutsche Premium-Qualität.
Wichtige Dokumente für die D.I.B.-Glas Verwendung
Die jeweils aktuellen Bestimmungen zu den Wahrenzeichen des Deutschen Imkerbundes e. v. – also vor allem zur Vermarktung von Honig im D.I.B.-Glas sind im Dokument „honig-unter-dem-warenzeichen-des-deutschen-imkerbundes-2023.pdf“ zu finden.

Die wichtigsten Merkblätter zur D.I.B.-Glas Vermarktung
- Zentrale Übersicht: Die Broschüre „Honig unter dem Warenzeichen des D.I.B.“ bietet eine kompakte Zusammenfassung zu Voraussetzungen, Qualitätsanforderungen und Markenbestandteilen.
- Detaillierte Rechtsgrundlage: Die Bestimmungen zu den Warenzeichen enthalten alle verbindlichen Satzungsregeln, von der Probenahme bis zu den Pflichten der Abfüllstelle.
- Praktische Anwendung: Das Merkblatt „Honig unter dem Gewährverschluss“ erklärt konkret, wie Gläser etikettiert, das MHD eingetragen und Verschlüsse korrekt angebracht werden.
- Qualitätskriterien: Eine Übersicht über die strengen Qualitätsrichtlinien des D.I.B. (z. B. Wassergehalt und Enzyme) ist ebenfalls online verfügbar.
Wichtigstes zur Vermarktung im D.I.B.-Glas
Voraussetzungen für die Vermarktung im D.I.B.-Glas
- Mitgliedschaft im D.I.B. über den Landesverband
- Erfolgreicher Abschluss eines Honiglehrgangs (Fachkundenachweis Honig) des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.)
- Einhaltung der strengeren D.I.B.-Qualitätsrichtlinien gegenüber der allgemeinen Honigverordnung.
- Regelmäßige Qualitätskontrollen (Sensorik, Laboranalysen)
- Verwendung der originalen, vom D.I.B. bereitgestellten Gläser, Etiketten, Deckel und ggf. Deckeleinlagen
- Deutsche Herkunft des Honigs
Wichtige Grenzwerte: D.I.B. vs. Honigverordnung
Die höheren Qualitätsanforderung gehen aus der folgenden Tabelle am deutlichsten hervor:

Besondere Regelungen für Heidehonig (Calluna)
- Ausnahme beim Wassergehalt: Bis zu 21% im D.I.B. (statt 18% bei anderen Honigen) erlaubt aufgrund natürlicher Geleebildung.
- Sensorische Bewertung: Typischer, kräftiger Geschmack und gelierter Zustand werden akzeptiert.
- Kennzeichnung: Muss als „Heidehonig“ deklariert werden.
Weitere D.I.B.-Vorschriften
Keine Wärmeschädigung: Honig darf nicht über 40°C erwärmt werden.
Naturbelassenheit: Keine Zusatzstoffe, keine Aromen.
Reinheit: Keine Fremdanteile (z.B. auch „ausländischer Honig“).
Kontrolle: Stichprobenartige Laboruntersuchungen durch den D.I.B.
Kennzeichnungspflichten (zusätzlich zu LMIV)
Glasetikett: „Echter Deutscher Honig“, D.I.B.-Wabe-Logo, Mitgliedsnummer
Ursprungsland: „Deutschland“
Mindesthaltbarkeitsdatum: Empfehlung 2 Jahre bei sachgerechter Lagerung
Herkunftsangabe: Optional regionale Bezeichnungen (z.B. „Schwarzwaldhonig“) möglich
Wichtige Hinweise
Verstöße gegen die D.I.B.-Richtlinien können zum Entzug der Vermarktungserlaubnis führen.
Das D.I.B.-Glas ist kein Herkunftssiegel im engeren Sinne, sondern ein Qualitätssiegel des Verbandes.
Nachteile des D.I.B. – Glases
Wenn es perfekt wäre, würden alle „Vereinsimkerinnen“ in Deutschland mit dem D.I.B.-Glas imkern. Da sie das nicht tun, muss es auch Nachteile geben:
- Fehlende Individualität: z.B. bei „Bienenpatenschaften“ durch Firmen, wird das Aussehen der Gesamtgestaltung des Glases häufig durch Grafiker der Organisation im „CI“ (Corporate Identity) der Organisation gestaltet – Es soll also die „Organisation“ wiedererkannt werden. Das ist mit D.I.B-Glas nicht sinnvoll/nicht ausreichend möglich.
- höhere Kosten / höherer Aufwand: Kosten für Gläser, Deckel und Etiketten sind höher als bei „Normalglas“ und eigenem Etikett. Imkerinnen sind sehr kostensensitiv.
- „Fachkundigenprüfung Honig“ zu spät: Ehe man die Prüfung bestanden und die Genehmigung fürs D.I.B.-Glas hat, musste man schon den ersten Honig abfüllen. Wenn man dann mit „Normalglas“ begonnen hat, ist die Hürde größer, den Prozess wieder zu ändern.
- aktueller „Zeitgeist“: D.I.B. – Glas wirkt für heutigen Zeitgeist schon zu „industriell“, „handgemalt und selbstgetöpfert“ ist IN. Derzeit zieht die gesicherte höhere Qualität des Honigs im „D.I.B.-Glas“ bei den Kunden weniger. „Individualität“ bringt teilweise deutlich höhere Verkaufspreise. „Influencer-Story“, „Werte“, „Manufaktur-Faktor“ und „Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe“ sind aktuell oft viel wichtiger als objektive Qualität des Honigs, insbesondere für höhere Verkaufspreise.
Argumente gegen die Abfüllung im D.I.B.-Glas
Verpflichtungen & Kosten
- Mitgliedschaft & Abgaben: Verpflichtende Mitgliedschaft im D.I.B./Landesverband mit Jahresbeiträgen. Zusätzlich Kosten pro Glas/Etikett.
- Administrativer Aufwand: Anmeldung, Bestellvorgang für Gläser, Verwaltung von Mitgliedsnummern, Einhaltung spezieller Etikettenvorgaben.
- Qualitätskontroll-Risiko: Stichprobenartige Laborprüfungen durch D.I.B.; bei Nicht-Erfüllung der Richtwerte (z.B. HMF >15 mg/kg) kann Vermarktungsrecht entzogen werden.
Vermarktungs-Einschränkungen
- Eingeschränkte Flexibilität: Keine individuellen Etiketten- oder Glasgestaltungen möglich (Farben, Design, Firmenlogo nur begrenzt), z.B. bei „Bienenpatenschaften“ durch Firmen
- Preisbindung & Positionierung: Assoziation mit „Standard-Honig“; erschwert hochpreisige Premium-Positionierung (z.B. „Manufaktur-Charakter“).
- Sortimentsbegrenzung: Nur deutscher Honig erlaubt. Keine Mischungen mit EU-/Drittlandshonig möglich. Bei Trachtmangel kein Zukauf erlaubt.
Philosophische & Praktische Gründe
- Unabhängigkeit: Wunsch nach vollständiger Vermarktungsautonomie ohne Verbandsregeln.
- Regionale Identität: Stärkerer Fokus auf lokale/lokale Identität (z.B. „Honig aus dem X-Tal“) statt auf nationale „Deutschland“-Kennzeichnung.
- Direktvermarktungs-Optimierung: Bei reinem Hofladen-/Abokunden-Verkauf ist der hohe Wiedererkennungswert des D.I.B.-Glases weniger relevant; eigene Gestaltung kann stärker binden.
- Nischen-Sortimente: Für spezielle Produkte wie Cremighonige mit zugesetzten Aromen (z.B. Vanille, Zimt) ist D.I.B.-Vermarktung nicht möglich.
- Logistischer Aufwand: Lagerhaltung der speziellen Gläser/Ettiketten; Abhängigkeit von D.I.B.-Lieferzeiten.
Fazit:
Insbesondere der „Zeitgeist“ steht derzeit kritisch objektiv gesicherter und ausgewiesener Qualität gegenüber, sobald es nur den geringsten Anschein von „industriell“ und „seriell/einheitlich“ hat. „Story-, Influencer- und Manufaktur-Marketing“ wird preislich mehr belohnt, als nachgewiesene Qualität.
Dieser „Zeitgeist“ macht es derzeit fürs D.I.B.-Glas schwer.
Sonstiges
Foto-Quellen: Beitragsbild – „D.I.B. Gläser“ – Autor: Dietmar Rabich, Lizenz: CC-BY 4.0.
Kommentare/Hinweise:
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